Wenn man die Bürokratie irgendwann durchblickt, dann ist sie wohl tatsächlich erstaunlich unbürokratisch.
Wir waren also auf der Gemeinde, haben mit Gemeindemitarbeitenden gesprochen, und dem zuständigen Sozialarbeiter, der gerade auf Tour war, und haben viele Informationen erhalten. Die meisten davon falsch. Man muss aber verstehen, dass sich die Voraussetzungen laufend ändern – es ist wirklich nicht einfach, à jour zu bleiben.
Auf jeden Fall schoben wir eine kleine Krise, weil es hiess, dass es keineswegs sicher sei, dass Ira bei uns wohnen könne. Sie werde einem Kanton zugeteilt. Unsere Gemeinde nehme niemanden mehr auf. Die Quote sei bereits erfüllt. Am besten würden wir gleich im Bundesasylzentrum in Zürich vorbeigehen. Es brauche keinen Termin. Dort standen wir also am nächsten Tag so ein bisschen rum, mit einer Handvoll weiterer Ukrainer. Es ging nicht besonders lange, aber doch eine halbe Stunde, bis wir erfuhren, dass es einen Termin brauche, den man online buchen könne. Und dass es den erst in 10 Tagen gibt. Und heute sowieso niemand verarbeitet wird. Wir könnten unser Glück aber in Altstätten SG versuchen, dort habe es nicht so viele Leute. Sollen aber zuerst schon mal Online die Daten ausfüllen. Und die unwiderrufliche Bestätigung für mindestens 3 Monate Privatunterkunft. Und vielleicht noch ein Empfehlungsschreiben, warum Ira bei uns bleiben soll.
Zwei Stunden später waren wir in einer riesigen Halle bei Altstätten. So eine Mischung zwischen sauber organisiert und chaotisch, mit Verpflegungsstand in der Mitte und vielen kleinen Kindern, die sich die Zeit erstaunlich gesittet vertreiben. Das Ziel des Spiels war es, zuerst die Formulare sauber auszufüllen, mit Unterstützung eines HEKS Mitarbeitenden, und dann die Stationen 1 bis 5 zu durchlaufen. Wir kannten die Spielregeln nicht genau, aber wir haben aufgepasst. Man steht also bei der Station 1 und versucht herauszufinden, wer ansteht. Irgendwann kann man dann Pass und Formular abgeben und geht weiter zu Station 2, wo man schon ein paar Minuten später die Fingerabdrücke gescannt erhält. Ab zu Station 3, und warten. Ziemlich lange. Also sehr lange. So stundenlang. Dann wird man aufgerufen, angeschaut, und gleich weitergereicht zu Station 4, wo der interims «S» Ausweis erstellt wird, eine Übersetzerin alles erklärt und dann weitergereicht zu Station 5. Da geht es um die Privatunterkunft. Und der Mann lacht, als er von unserer Sorge hört. Alle sind froh, wenn es eine Privatunterkunft gäbe. Und Zürich sei sowieso unterdurchschnittlich bestückt. Ein grüner Asyl-Kanton. Sozusagen.
Es war ein langer Tag, er hat um 9 gestartet und um 18h geendet, aber wir haben viele freundliche Menschen kennengelernt, die sich echt Mühe geben, das Chaos zu managen. Und unsere Ira ist jetzt offiziell angekommen. Wir warten auf die Papiere und die Dinge, die nun kommen mögen.