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Banana Joe

Als Kind hatte ich mich im Kino amüsiert, wie Bud Spencer in «Banana Joe» das Einwohneramt eines südamerikanischen Dschungeldorfes aufräumt, weil dort zwei Beamte seit Jahren systematisch Klienten von einem Schalter zum anderen schickten. 

Vor zwei Wochen hiess es in Altstätten bei der Registrierung zu Ira und mir: «Sie müssen nichts machen. Sie bekommen einen Brief vom Kanton und ihre Gemeinde wird automatisch auf Sie zukommen.» Die benannte Gemeinde, zwei Wochen später: «Warum haben Sie sich nicht gemeldet?!? Sie hätten sich melden müssen!» Ich lächle beim Gedanken, was Bud gemacht hätte.

Ira spricht e bizzeli Deutsch und benötigt einen Deutschkurs für leicht Fortgeschrittene. Der Ukraine-Beauftragte der Gemeinde bietet nur Anfängerkurse und schickt Ira deshalb zum Sozialamt. «Die organisieren das.» Die schicken Ira aber einfach wieder zurück zum Ukraine-Beauftragten, der solle das machen.

Offenbar steckt in ihm auch ein bisschen ein «Banana Joe». Er nimmt sich der Sache an bzw. das Telefon in die Hand und – plötzlich klappt es. Ganz ohne Bud Spencer.

Wir kennen Ira seit ein paar Jahren und sie war einige Mal zu Besuch. Eine fröhliche, stolze Ukrainerin um die 40 mit einem grossen Herzen, die sich in ihrer Freizeit um Kinder in Waisenhäusern und Behindertenheimen kümmert.

Als der Krieg in der Ukraine losging, haben wir ihr angeboten, zu uns zu kommen. Sie hat gezögert, sie wollte ihre Leute nicht im Stich lassen. Nun ist sie doch bei uns.

Was sie erzählt, gibt einen direkten Einblick in das Leid, die Ohnmacht, das Grauen und die Sinnlosigkeit des Krieges. Ich möchte hier von Zeit zu Zeit festhalten, was wir von Ira mitkriegen. Weil es mich beschäftigt, und weil ich es wichtig finde, dass wir mindestens eine kleine Ahnung davon haben, was in der Ukraine abgeht.

Ein persönlicher Blog